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19. September 2018

„Ersatzvater“ für 400 Kinder und Jugendliche

geschrieben am 29. August 2012 ,von Christian Menzel

„Ersatzvater“ für 400 Kinder und Jugendliche
Annika Krüger lebte dreieinhalb Jahre im DRK-Kinder- und Jugendwohnheim. Zum 20. Geburtstag besuchte sie mit ihrem Sohn Jakob ihren „Ersatzvater“ Norbert Wernitz.

Mit einem kleinen Fest begingen Mitarbeiter, aktuelle und ehemalige Bewohner und Nachbarn den 20. Geburtstag des DRK-Kinder- und Jugendwohnheims in der Prahmstraße. In 20 Jahren haben Leiter Norbert Wernitz und seine zehn Mitarbeiter ein zeitgemäßes Kinder- und Jugendwohnheim umgesetzt.

Zurzeit werden in der Einrichtung 14 Kinder und Jugendliche zwischen eineinhalb und fast 18 Jahren betreut. Das Heim mit sechs Doppel- und zwei Einzelzimmern sei damit ausgebucht, sagt Wernitz. Es gibt zwei Gruppen, die je über einen modernen Wohn-Küchenraum, eigene Toiletten und Bäder verfügen. „Ansonsten läuft das Leben bei uns ab wie in einer Familie, nur dass sie bei uns etwas größer ist“, sagt Wernitz, der von Anfang an das Kinder- und Jugendheim betreut und damit eine Art „Ersatzvater“ für die bisher aufgenommenen zirka 400 Kinder und Jugendlichen darstellt. „Dabei ist es unerheblich, ob ein Kind vier, 14 oder 18 Jahre alt ist – sie wollen alle mal in den Arm genommen und gedrückt werden“, sagt er. Dennoch komme es immer mal wieder vor, dass Jugendliche ausbüxen würden. „Das Argument, es gefalle ihnen nicht im Wohnheim, wird dann schnell mal als Ausrede und Schutzbehauptung benutzt“, weiß Wernitz, dessen Team von Mitarbeitern des Jugendamtes, vom DRK, von Lehrern und sogar von betroffenen Eltern viel Respekt und Dankbarkeit entgegengebracht wird. Und sogar die Anwohner, die sich anfangs gegen das Kinder- und Jugendheim in ihrer Nachbarschaft gesträubt hatten, kamen zu dem Fest.
Und auch viele ehemalige Heimbewohner, die über gelungene Biografien berichten konnten. So lebte Annika Krüger dreieinhalb Jahre in der Einrichtung und hat nur gute Erinnerungen an die Zeit. Heute ist die 29-Jährige selbst Mutter zweier Kinder und arbeitet als Heilerzieherin. „Die Grundlagen für meine Berufswahl wurden im Heim gelegt“, sagt sie. Björn Schumacher hatte sich anfangs gesträubt, ins Heim zu kommen. „Ich wollte das nicht, aber dann haben mich die vier Jahre, die ich hier gelebt habe, überzeugt“, bestätigt er und ist sicher, dass er heute „bestimmt im Gefängnis“ wäre, hätten ihm die Mitarbeiter um Norbert Wernitz damals nicht geholfen. Ironie der Geschichte: heute arbeitet der 29-Jährige bei einem Sicherheitsdienst und ist zufrieden mit seinem Leben.
Inzwischen hat das Heim sein Angebot erweitert. Im Dachgeschoss wurde eine „Inobhutnahmestelle“ für Kinder eingerichtet, für die das Jugendamt ganz kurzfristig – auch über Nacht oder übers Wochenende – eine Bleibe sucht. In einer zweiten Immobilie gibt es drei Wohnungen, in denen betreutes Jugendwohnen angeboten wird.

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