Güstrower Lokalnachrichten

19. September 2018

Blick ins Innenleben der Bilder

geschrieben am 30. November 2012 ,von Christian Menzel

Blick ins Innenleben der Bilder
Personenkreis, der am Projekt der Restaurierung und Untersuchung der sechs Gemälde des Wandelaltars beteiligt war. Die finanziellen Mittel dafür stellte die Brüsseler König-Baudouin-Stiftung zur Verfügung. (Foto: Menzel)

Auf dem Weg zur vollständigen Sanierung des Jan-Borman-Altars in der Pfarrkirche ist wieder eine Etappe geschafft. Vor kurzem weilten Experten der Brüsseler König-Baudouin-Stiftung in Güstrow, um die von der Restauratorin Martina Runge bearbeiteten sechs Gemälde des Wandelaltars zu begutachten. Die Belgier sparten dabei nicht mit Lob für die Fachfrau.

Das Projekt der Baudouin-Stiftung indes war weiter gefasst. Durch eine von der Dresdner Akademie der Künste ausgeführten Infrarotreflektografie konnte quasi in das Innenleben der Bilder geschaut werden. „Durch alle Farbschichten hindurch machen wir das mit Tusche auf weißen Malgrund entworfene Motiv sichtbar“, erklärte Ivo Mohrmann. Der Dresdner Professor ist Experte für die Konservierung und Restaurierung von Kunstwerken. So halfen die Analysen der Sachsen bei der Schadensbeurteilung, schlagen den Bogen aber weiter. Das gewonnene Material soll nun für Vergleiche mit anderen Kunstwerken, auch Altären, genutzt werden. „Vielleicht ist es so noch möglich, den Namen des Meisters, der die Gemälde konzipierte, zu ermitteln“, sagt Mohrmann. Auf jeden Fall habe „ein erfahrener Maler, der sein Handwerk versteht“, das Motiv vorgegeben. Die Ausmalungen seinen dann sicher von Assistenten vorgenommen worden. Eine damals durchaus gängige Verfahrensweise, um den hohen Bedarf an Werken bewältigen zu können. Ähnliches vermuten die Experten übrigens auch für die Schnitzarbeiten am Altar. „Er wurde in der Werkstatt von Jan Borman hergestellt und da haben sicher viele mitgewirkt“, waren sich die Experten einig.
Für Elisabeth Taetow, Vorsitzende des Fördervereins zur Restaurierung des Altars, liegen die Arbeiten im Plan. Voraussichtlich 2014, dann nach einer Zeit von über 20 Jahren, wird Volker Ehlich die Restaurierung des bedeutenden Kunstwerks abschließen können. Auch die Finanzierung dürfte bis zum Schluss gesichert sein. Insgesamt wurden dafür eine halbe Million Euro benötigt. „Wenn am Ende doch noch eine Kleinigkeit fehlt, haben mir Stiftungen schon Hilfe signalisiert“, sagt Elisabeth Taetow entspannt. Gemeinsam mit Dr. Dr. Dieter Pocher überlegt der Freundeskreis, den Sanierungsabschluss 2015 mit einem festlichen Kolloquium, ähnlich dem nach der Fertigstellung des Ulrich-Epitaphs im Dom, zu feiern.

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